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Psychodrama

Was macht die Methode Psychodrama aus, woher kommt sie und wie wenden wir sie heute an? Dazu gibt es hier mehr Informationen.

Das Psychodrama nach J. L. Moreno ist in seiner Lebendigkeit und Vielfalt ein originelles, integratives Verfahren zur Förderung kreativer Lebensgestaltung. Originär in und für Gruppen entwickelt, bietet es auf der Basis eines mehrdimensionalen Verständnisses für Menschen in sozialen Systemen wirkungsvolle Konzepte für die Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Familien, Gruppen, Teams und Organisationen. Außerdem werden gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Einflüsse, männliche und weibliche Rollenstereotype und Sinnfragen Thema in ihrer Bedeutung aufgedeckt und ggf. bearbeitet.

Das personenzentrierte Psychodrama ermöglicht durch die szenische Darstellung gegenwärtiger, vergangener, zukünftiger oder phantasierter Situationen innerhalb der Gruppe, in Paaren oder in Einzelsitzungen
die Klärung problematischer zwischenmenschlicher Beziehungen;
das Erkennen und Beheben von Kommunikationsstörungen und dysfunktionalen Interaktionen;
die Aufdeckung von Konfliktursachen (unter-schiedlicher Symptome) durch freie Assoziation von Szenen in der psychodramatischen Aktion;
die Entwicklung fehlender Rollen und innerer Figuren sowie
den Abbau bzw. die Umwandlung destruktiver Rollenmuster;
das kathartische sowie das bewusst reflektierende Wiedererleben abgewehrter Geschehnisse und Gefühle im Spiel und ihre Integration in das gegenwärtige Erleben;
das Erkennen und Akzeptieren von Grenzen und Bewältigung der damit verbundenen Kränkung und Frustration;
das Einüben neuer Verhaltensweisen im Rollenspiel;
das Entdecken und Erproben bisher ungenutzter oder unbekannter Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung und sozialen Begegnung.

Durch die Arbeit an der „Rollenmächtigkeit“ (Moreno) wird es möglich, Stärken zu fördern, Rollenfixierungen zu lösen und Freiheit zur Wahl neuer Verhaltensweisen und Kontaktformen zu schaffen.

Das gruppenzentrierte Psychodrama befasst sich mit den dynamischen und soziometrischen Gesetzmäßigkeiten der Gruppe, den Interaktionen und Konstellationen ihrer Mitglieder im Hier und Jetzt wie mit den Ursachen, die die Produktivität und den Zusammenhalt der Gruppe behindern oder fördern können. Mit Hilfe soziometrischer Techniken wie Soziogrammen, Gruppenskulpturen und symbolischen Bildern lässt sich Klarheit gewinnen über Charakter und Intensität der jeweiligen Beziehungsgefüge und der Rolle der einzelnen darin. Eingestandene oder uneingestandene Anziehung, Distanz und Dominanz treten hervor, verborgene Gruppenthemen und kritische Untergruppengefüge werden in freien Gruppenspielen deutlich.
Das gruppenzentrierte Psychodrama wirkt in mindestens zwei Dimensionen: es befördert Kohäsion und Arbeitsfähigkeit der Gruppe und hilft gleichzeitig den Einzelnen, ihren Platz (d.h. ihre Rolle, Fuktion, Position, Status) im sozialen Gefüge einer Gruppe zu erkennen und eigenverantwortlich und unter Anleitung zu entwickeln.

Das themenzentrierte Psychodrama stellt ein für die Gruppe, Einzelne oder die Organisation bzw. den Arbeitszusammenhang wesentliches Thema in den Vordergrund, das auf vielen verschiedenen Wegen erarbeitet und variiert werden kann z.B. in Vignetten, Bildern, symbolischen Handlungen. Themenzentrierung, sei es durch direkte Erarbeitung eines Themas oder durch Verwendung z.B. eines Märchenthemas als Folie, befördert einen mehrdimensionalen Lernprozeß und bietet einen anregenden, motivierenden und gleichzeitig schützenden Rahmen.

Das Soziodrama ermöglicht einen Zugang zu gesellschaftlichen Themen und Konflikten zum Beispiel im Rollen- oder Planspiel und in der „lebenden Zeitung“. Der Rollentausch hilft auch hier, das eigene Handlungsspektrum und die Konfliktfähigkeit zu erweitern, durch die Erfahrung, sich in ein fremdes, manchmal feindseliges Gegenüber hinein zuversetzen und die Welt mit dessen Augen zu sehen. Es fördert die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel.
Es ermöglicht überdies, durch die Übernahme unvertrauter Rollen Zugang zu abgelehnten und Identifizierung mit bisher unzugänglichen gesellschaftlichen Institutionen und Bereichen zu schaffen und kann eine (Re-)Integration in die Gesellschaft bedeuten.