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Weckruf | Anlass: Diskurs über die Zukunft der Psychotherapie | Initiatoren: Prof. Dr. Michael B. Buchholz und Prof. Dr. Jürgen Kriz

143 Professorinnen und Professoren unterzeichnen „Weckruf“ gegen die reduktionistische Einseitigkeit der deutschen Psychotherapie

INFORMATION

143 Professorinnen und Professoren unterzeichnen „Weckruf“ gegen die reduktionistische Einseitigkeit der deutschen Psychotherapie

Mitte Oktober 2023 wurde an einen größeren Kreis von Professor:innen* im Bereich der Psychotherapie (im weiteren Sinne) ein „Weckruf“ verschickt (Initiatoren: Prof. Dr. Michael B. Buchholz und Prof. Dr. Jürgen Kriz). Dieser wurde inzwischen von 143 Professor:innen (Stand 15.11.23) unterzeichnet.

Gegenstand und Anlass. Aktuell findet ein Diskurs über die Zukunft der Psychotherapie in Deutschland statt – nicht zuletzt ausgelöst durch ein neues Psychotherapeutengesetz (PsychThG, 2020), und die sich daraus ergebenden Fragen von Aus- und Weiterbildung sowie die Bewertung von unterschiedlichen Ansätzen der Psychotherapie.

Obwohl ein offener Diskurs grundsätzlich sehr erfreulich wäre, sehen die Unterzeichner mit Sorge, dass dabei nicht oder zu wenig die Ergebnisse internationaler Psychotherapieforschung berücksichtigt werden. Diese belegen die Relevanz eines bio-psycho-sozialen Verständnisses in der Psychopathologie und –therapie sowie die große Bedeutsamkeit von kontextuellen Zusammenhängen, menschlichen Lebenswelten und Sinnorientierung für therapeutische Behandlung von psychischen Leidenszuständen.

Warum nur Professor:innen? Die Kritik an der Einseitigkeit der deutschen Psychotherapie ist nicht neu: Bereits 2006 wurde mit der „Bonner Erklärung“ https://www.vpp.org/meldungen/06/60319_bonner_erklaerung.html

die Sorge ausgedrückt, dass in der deutschen Psychotherapie eine Verengung der Denkperspektiven stattfindet und sinnverstehende, einem humanistischen Menschenbild verpflichtete psychotherapeutische Traditionen hierzulande immer weniger Platz haben. Dieser Aufruf erhielt mit rd. 2.500 Unterschriften eine breite Resonanz. Die Unterzeichner wurden damals allerdings diskreditiert und die Berechtigung zur Beurteilung solcher Fragen in Zweifel gezogen. Daher werden im aktuelle „Weckruf“ als Unterzeichner nur Professor:innen aufgeführt* – diesen lässt sich die Kompetenz für Fragen der Lehre und Ausbildung nicht absprechen.

Zusätzlich haben allerdings zahlreiche „nicht-Profs“ (in Praxen, Kliniken – bis hin zu Klinikchefs oder z.B. die gesamte „Sektion Klinische Sozialarbeit“ der DGSA) ebenfalls gemailt, dass sie den „Weckruf“ und seine Forderungen voll unterstützen.

Welches Ziel wird verfolgt? Die Initiatoren betonen, dass sich der „Weckruf“ nicht gegen irgend Jemanden richtet. Vielmehr sollen damit jene Positionen im Diskurs unterstützt werden, die sich für den (Wieder-)Anschluss der Psychotherapie(forschung) in unserem Lande an die internationalen Standards bezüglich Methodenpluralität, Forschungsvielfalt und Evidenzbasierung einsetzen (inklusive qualitativer Forschung statt Reduktion auf Standardmethoden der Pharmaforschung – sog. „RCT“s).

Der „Weckruf“ präzisiert dies in einer Reihe von Forderungen, die darauf abzielen, bei den anstehenden Beratungen und Beschlüssen der Funktionäre in den Entscheidungsgremien diese Aspekte nicht länger auszublenden.

Daher wird der „Weckruf“ mit der Liste der Unterzeichner an Psychotherapie–Kammern, den DPT, Entscheidungsgremien, Gesundheitsbehörden und an Medien geschickt.

Rückfragen ggf. an

Prof. Dr. Dr. Michael B. Buchholz buchholz.mbb@t-online.de
Prof. Dr. Jürgen Kriz kriz@uos.de

 

Den Weckruf unterstützen mit ihrer Unterschrift

Stand 15.11.2023 (N=143 – incl. der Initiatoren Prof. Dr. Buchholz / Prof. Dr. Kriz)

(alphabetisch, ohne Differenzierung in Dr.med./Dr.phil /mult. Dr/pp….)

Prof. Dr. Bernd Ahrbeck
Prof. Dr. Stine Albers
Prof. Dr. Maria Ammon
Prof. Dr. Rolf Arnold
Prof. Dr. Tobias Banaschewski Prof. Dr. Jörg Baur

Prof. Dr. Wolfgang Baßler Prof. Dr. Michael Behr
Prof. Dr. Johann Behrens Prof. Dr. Noélle Behringer Prof. Dr. Wolfram Bender Prof. Dr. Mathias Berg
Prof. Dr. Jürgen Beuhausen Prof. Dr. Lorenz Böllinger Prof. Dr. Maren Bösel
Prof. Dr. Brigitte Boothe
Prof. Dr. Michael Borg-Laufs Prof. Dr. Michael B. Buchholz Prof. Dr. Jörg Bürmann

Prof. Dr. Ilse Bürmann
Prof. Dr. Stefan Busse
Prof. Dr. Willi Butollo
Prof. Dr. Margret Dörr
Prof. Dr. Dole Dracklé
Prof. Dr. Jochen Eckert
Prof. Dr. Wolfgang Eirund Prof. Dr. Michael Ermann Prof. Dr. Elmar Etzersdorfer Prof. Dr. Matthias Franz
Prof. Dr. Georg Franzen
Prof. Dr. Eckhard Frick
Prof. Dr. Jörg Frommer
Prof. Dr. Silke Gahleitner Prof. Dr. Julia Gebrande
Prof. Dr. Manfred Gerspach Prof. Dr. Ulfried Geuter
Prof. Dr. Thomas Giernalczyk Prof. Dr. Stefan Gingelmaier Prof. Dr. Yvonne Glock

Prof. Dr. Kurt Guss
Prof. Dr. Detlev Haimerl
Prof. Dr. Horst Haltenhof
Prof. Dr. Philipp Hammelstein Prof. Dr. H.-J. Hannich
Prof. Dr. Oliver Hechler
PD. Dr. Wolfgang Hegener
Prof. Dr. med. Tilo Held
Prof. Dr. Björn Enno Hermans Prof. Dr. Susanne Hörz-Sagstetter Prof. Dr. Alexandra Hopf

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Prof. Dr. Ingo Jungclausen
Prof. Dr. Yvonne Kahl
Prof. Dr. Esther Klees
Prof. Dr. Heiko Kleve
Prof. Dr. Gert-Holger Klevenow Prof. Dr. Sabine Koch

PD. Dr. Werner Köpp
Prof. Dr. Jürgen Körner
PD. Dr. Susanne Kristen-Antonow Prof. Dr. Reinhard Kreische
Prof. Dr. Jürgen Kriz
Prof. Dr. Helga Krüger-Kirn
Prof. Dr. Maren Lange
Prof. Dr. Ottmar Leiß
Prof. Dr. Reinhard Lindner
Prof. Dr. Thomas Loew
Prof. Dr. Elfriede Löchel
Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner Prof. Dr. Michael Märtens
Prof. Dr. Ingmar Maurer
Prof. Dr. Reinhard Maß
Prof. Dr. Wolfgang Mertens
Prof. Dr. Hellmut Metz-Göckel
PD. Dr. Peter Möhring
Prof. Dr. Heidi Möller
Prof. Dr. Angela Moré
Prof. Dr. Christine Morgenroth-Negt Prof. Dr. Frank Nestmann
Prof. Dr. Matthias Ochs
Prof. Dr. Christian Paulick
Prof. Dr. Meinolf Peters
Prof. Dr. Werner Pfab
Prof. Dr. Eric Pfeifer
Prof. Dr. Reinhard Plassmann
Prof. Dr. Eleonore Oja Ploil
Prof. Dr. Udo Rauchfleisch
Prof. Dr. Katharina Reboly
Prof. Dr. Luise Reddemann
Prof. Dr. Kersten Reich Prof.Dr.med. Christian Reimer
Prof. Dr. Gerhard Reister
Prof. Dr. Dirk Revenstorf
PD. Dr. Joseph Rieforth
Prof. Dr. Volker Riegels
Prof. Dr. Christian Roesler
Prof. Dr. Josef Rogner
Prof. Dr. Christa Rohde Dachser Prof. Dr. Frank Röhricht
Prof. Dr. Hildrun Rolff
Prof. Dr. Gerd Rudolf
Prof. Dr. Rainer Sachse
Prof. Dr. Carl Eduard Scheidt
Prof. Dr. Marc Schipper
Prof. Dr. Christiane Schiersmann Prof. Dr. Stefan Schmidt
Prof. Dr. Rudolf Schmitt
Prof. Dr. Markus Schaer
Prof. Dr. Konrad Schnabel

Prof. Dr. Wolfram Schüffel
Prof. Dr. Henning Schulze
Prof. Dr. Reinhold Schwab
Prof. Dr. Hans-Joachim Schwartz Prof. Dr. Klaus-Peter Seidler Prof. Dr. Fritz B. Simon
Prof. Dr. Peter Sinapius
Prof. Dr. Wolfgang Söllner
Prof. Dr. Gert Speierer
Prof. Dr. Carsten Spitzer
Prof. Dr. Ulrich Steingen
Prof. Dr. Brigitte Stiehler
Prof. Dr. Ursula Stinkes
Prof. Dr. Serge Sulz
Prof. Dr. Peter Theiss-Abendroth Prof. Dr. Karl Titze
Prof. Dr. Bernd Traxl
Prof. Dr. Rainer Treptow
Prof. Dr. Volker Tschuschke Prof. Dr. Christina von Braun Prof. Dr. Arist von Schlippe Prof. Dr. Martin Vetter
Prof. Dr. Yvette Voelschow Prof. Dr. Harald Walach
Prof. Dr. Dieter Weber
Prof. Dr. Sascha Weigel
Prof. Dr. Sandra Wesenberg Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe, Prof. Dr. Hans-Jürgen Wirth Prof. Dr. Michael Wolf
Prof. Dr. Eva Wunderer
Prof. Dr. Günter Zurhorst
Prof. Dr. Renate Zwicker-Pelzer

Sowie überaus zahlreiche nicht-Profs
und die gesamte „Sektion Klinische Sozialarbeit“ der DGSA sowie der VPP im BDP e.V.

Allerdings wurden die Erfahrungen und Sichtweisen der „nicht-Profs“ in den deutschen Diskursen zur Psychotherapie/psychosozialen Gesundheit schon früher als „irrelevant“ (und schlimmer) diskreditiert. Daher die Beschränkung auf Professor:innen in diesem Bereich – denen lässt sich die Relevanz für die Ausbildung und Ausrichtung der Psychotherapie in der BRD kaum absprechen.