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Humanistische Psychotherapie – was meint das?

Im September 2010 haben sich die humanistischen Verfahren, zu denen auch das Psychodrama gehört, zur AGHPT, der „Arbeitsgemeinschaft humanistischer Psychotherapieverfahren“ zusammengeschlossen, um die berufsrechtliche und die sozialrechtliche Anerkennung zu erwirken, die in Deutschland bisher nur den verhaltenstherapeutischen und die analytischen/tiefenpsychologischen Verfahren zugesprochen wurde. Was genau macht humanistische Psychotherapie aus?

Zweck der AGHPT ist die Verbreitung der Humanistischen Psychotherapie als Grundorientierung und Verfahren der Psychotherapie. Dies beinhaltet unter anderem die Sichtung von Aus-, Fort-, Weiterbildungstätigkeit, von Forschungsarbeit und der Anwendung unterschiedlicher Verfahren und Methoden der Humanistischen Psychotherapie und den Austausch darüber.

Auf der Seite www.aghpt.de finden Sie Texte zum Thema „Humanistische Psychotherapie“, den Antrag der AGHPT  auf wissenschaftliche Anerkennung des Verfahrens “Humanistischen Psychotherapie an den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) vom 12.10.2012”, Berichte und Videos vom ersten Kongress der AGHPT 2012 in Berlin und vieles mehr.

Im Folgenden veröffentlichen wir einen leicht variierten Text der Arbeitsgruppe Humanistische Psychotherapie (AGHPT) – federführend: Werner Eberwein, kontakt@werner-eberwein.de

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 Was ist Humanistische Psychotherapie?

 Allgemeines

Die Humanistische Psychotherapie versteht sich als Weiterentwicklung der Humanistischen Psychologie hin zu einer angewandten Wissenschaft des Intersubjektiven, mit dem Ziel, durch Erkunden und Transformieren des Erlebens des Patienten in seinen Beziehungskontexten, psychisches Leid zu bewältigen.

Die Humanistische Psychotherapie stellt das psychische Wachstum in den Mittelpunkt – im Sinne persönlicher Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung in sozialen Kontexten – durch Aktivierung und Entfaltung spezifisch menschlicher Ressourcen (Potentiale) auf ein von Sinn getragenes, selbstverwirklichendes, authentisches Leben hin.

Menschenbild

Die Humanistische Psychotherapie beruht vor allem in Bezug auf die Fähigkeit des Patienten zu kreativem Wachstum und konstruktiver Veränderung auf einem ressourcenorientierten Menschenbild, das in der humanistischen Philosophie verankert ist.

In der Humanistischen Psychotherapie wird der Mensch in seiner bio-psycho-sozialen Ganzheit gesehen. Er trägt die Ressourcen bereits in sich, die für die Befreiung aus psychischem Leid erforderlich sind; sie können durch die Gestaltung der psychotherapeutischen Beziehung und durch psychotherapeutische Interventionen aktiviert und auf zu bewältigende Lebensprobleme angewendet werden. Der Mensch wird als Subjekt gesehen, dessen Erleben in seinen biologischen, biografischen, sozialen und ökologischen Bezogenheiten und Bedingtheiten introspektiv bzw. intersubjektiv (selbstempathisch bzw. empathisch) erfasst werden kann.

Der Mensch wird in seinem Streben nach Selbstverwirklichung, nach Wachstum, nach Entwicklung von Ressourcen, Autonomie und Authentizität in seinen sozialen Bezügen gesehen. Die Fähigkeit des Menschen zur Kreativität und Selbstreflexion befähigt ihn zu Entwicklung, Differenzierung und Gestaltung seiner Persönlichkeit und seiner Lebenswirklichkeit über seine gesamte Lebensspanne hinweg.

In der Humanistischen Psychotherapie steht im Mittelpunkt, was beim Menschen spezifisch menschlich ist und damit eine ganze Dimension, die über die animalische, neurochemische Trieb- oder Reflexdeterminiertheit und auch über vergangene lebensgeschichtliche Prägungen hinausgeht, insbesondere:

  •  das Bedürfnis nach Sinn, das intentional, also zukunftsorientiert ist,
  • die Bewusstheit und das Gewahrsein sowie die Fähigkeiten zur Introspektion und zu reflexivem Denken,
  • die existenzielle Wahlfreiheit des menschlichen Willens, die die persönliche Verantwortung für die eigenen Entscheidungen und ihre Folgen impliziert,
  • die Kreativität des Menschen zur schöpferischen Lebensgestaltung und zur Co-Kreation sozialer Prozesse,
  • die Liebe, die die andere Person als Person meint,
  • das bewusste und aktive, engagierte Sich-Einsetzen für oder gegen, das Sich-Auseinandersetzen mit bzw. das Ringen um etwas, das nicht auf Aggression im biologischen Sinn reduziert werden kann.

Der Mensch wird als verkörpert gesehen. Daher ist die psychotherapeutische Arbeit mit dem Körper (z.B. dem Körpererleben und/oder dem Körperausdruck) ein zentraler Aspekt der Humanistischen Psychotherapie.

Die Humanistische Psychotherapie erkennt an, dass es eine Vielfalt von Realitäten gibt, die subjektiv als gültig verstanden und als wahr empfunden werden, so dass die Welt auf vielfältige Weise erlebt und interpretiert werden kann. Und dass es eine Vielfalt von Weltanschauungen, Werte- und Glaubenssystemen, Lebenseinstellungen und Lebensstilen gibt, die den Menschen dazu befähigen können, ein befriedigendes, erfülltes Leben zu führen. Daher wird der Humanistische Psychotherapieprozess an den individuellen Besonderheiten des Patienten orientiert und nach ihnen variiert.

 Der psychotherapeutische Prozess

Die Humanistische Psychotherapie betrachtet den psychotherapeutischen Prozess als fortgesetzte Erkundung und Selbsterkundung des Fühlens, Denkens, Wollens und Handelns und besonders der Beziehungs- und Einstellungsmuster des Patienten im Hier und Jetzt vor dem Hintergrund der biographischen Bezüge und Zukunftsorientierungen. Grundlegend ist eine Haltung der Achtsamkeit insbesondere für Prozesse, Anteile und Schichten, die an der Grenze oder noch jenseits des Gewahrseins liegen, also unbewusst sind, in einem kooperativen Dialog des Patienten mit dem Psychotherapeuten (bzw. in Therapiegruppen im Polylog auch mit den anderen Gruppenteilnehmern).

Die Humanistische Psychotherapie versteht sich als

  •  experientiell, weil sie sich an der unmittelbaren Erfahrung orientiert,
  • experimentell, weil der psychotherapeutische Prozess als Ergebnis kooperativer Kreativität gesehen wird und
  • existenziell, weil Themen wie Fragen nach dem Sinn, Werten und Zielen einen zentralen Stellenwert im therapeutischen Prozess einnehmen.

Die Humanistische Psychotherapie betont die Relevanz der Eigenmotivation, Eigenarbeit und Selbstauseinandersetzung des Patienten, sowie der konstruktiven Gestaltung der psychotherapeutischen Beziehung für den psychotherapeutischen Fortschritt. Die Humanistische Psychotherapie versteht Psychotherapie als kooperativen, emanzipatorischen Prozess, in dem der Patient die Freiheit behält, selbst über Ziele und Wege des psychotherapeutischen Prozesses zu entscheiden. Humanistische Psychotherapie versteht sich als intersubjektiver, interpersoneller Prozess, in dem die empathisch zugewandte, professionell abgegrenzte und ggf. konfrontative Haltung des Therapeuten sowie die Halt, Struktur und Experimentierraum gebende Therapeut-Patient-Beziehung fundamentale Ressourcen für konstruktiven psychotherapeutischen Fortschritt sind.

Die Tendenz des Patienten zur Aktualisierung alter Beziehungsmuster und Einstellungen in der Psychotherapeut-Patient-Beziehung wird als Möglichkeit gesehen und genutzt, um diese Muster dem Erleben und Verstehen und der psychotherapeutischen Transformation zugänglich zu machen. Der Humanistische Psychotherapeut fördert ein psychotherapeutisches Beziehungsklima, das den Patienten einlädt und befähigt, den psychotherapeutischen Prozess nach seinen inhärenten Wachstumsbedürfnissen mitzugestalten.

Die Humanistische Psychotherapie sieht die aktuellen Erfahrungen eines Menschen vor dem Hintergrund seiner biografischen Vergangenheit und Zukunftsperspektive, die durch eine Vielfalt von erlebnisaktivierenden Techniken im Hier und Jetzt des psychotherapeutischen Prozesses erlebbar, verstehbar und transformierbar gemacht werden können. Der Patient wird ermutigt, seine zunächst noch unklaren oder unbewussten inneren Prozesse emotional zu erleben, kognitiv zu integrieren, zu verstehen, der Symbolisierung und (sofern möglich) der Verbegrifflichung zugänglich zu machen und zu kommunizieren.

Im Fokus des Humanistischen Psychotherapieprozesses steht das unmittelbare Erleben des Patienten im Hier und Jetzt vor dem Hintergrund seiner biografischen und sozialen Bezüge. Hierbei werden die Gefühle des Patienten in ihrer Funktion der Bewertung der Realität auf Basis biografischer Muster und als Basis von Entscheidungsprozessen gesehen und genutzt. Der Humanistische Psychotherapeut bemüht sich, zu verstehen, was und wie der Patient erlebt und das empathisch Erfasste dem Patienten gegenüber angemessen zu kommunizieren. Das hilft dem Patienten, sich allmählich selbst besser zu verstehen, die ihm zunächst noch unklaren Anteile und Zustände zu verstehen, sowie sich mit seinen Erfahrungen, Wünschen, Bedürfnissen, Lebenseinstellungen und Werten auseinanderzusetzen.

Die Empathie des Psychotherapeuten im Sinne einer stellvertretenden Introspektion in den Patienten ist eine grundlegende Intention in der Humanistischen Psychotherapie. Sie hat das Ziel, sein Erleben immer differenzierter und angemessener zu erfassen, ihm gegenüber zu kommunizieren sowie den Patienten zur Selbstempathie zu ermutigen und seine empathischen Fähigkeiten in seinen Beziehungskontexten zu fördern. Der Humanistische Psychotherapeut bemüht sich um eine akzeptierende und wertschätzende Haltung, was dem Patienten u.a. die Erfahrung vermittelt, als Person gewürdigt und unterstützt zu werden.

Ziele

Die psychotherapeutische Beziehung und die psychotherapeutischen Techniken und Interventionen dienen der Differenzierung des Selbstgewahrseins des Patienten, der Identifikation, Entfaltung und Entwicklung seiner Ressourcen und der Förderung seiner Resilienz- und Wachstumsfähigkeiten. Humanistische Psychotherapie dient der Förderung der Vitalität und Kreativität des Patienten, seiner Ressourcen und seiner Fähigkeit zur Selbstregulation, zur Gestaltung, Strukturierung und Abgrenzung aus dysregulierten Zuständen.

Humanistische Psychotherapie fördert das Erfassen und Wahrnehmen sowie die Erweiterung von Wahlmöglichkeiten des Patienten und das Bewusstsein der daraus resultierenden Verantwortlichkeit für sich, für andere Menschen und für seine soziale und ökologische Umwelt. Sie dient der Integration abgespaltener Anteile, der Stabilisierung und Harmonisierung der psychischen Struktur und dem Lösen verkörperter Blockaden und Hemmungen.

Humanistische Psychotherapie will dem Patient helfen, einen erfüllten, sinnorientierten Lebensweg zu gestalten und dafür seine Identität, seine Grenzen und seine Souveränität in seinen sozialen Bindungen zu erspüren und zu definieren, zu schützen und auszuweiten. Der Humanistische Psychotherapeut unterstützt den Patienten in der Reflexion und der Ausrichtung seiner Lebensperspektive an Sinn stiftenden Werten und in seiner Suche nach persönlichem Sinn, der seinem Leben Zentriertheit, Klarheit, Richtung und Erdung geben kann.

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Mitgliedsverbände der AGHPT sind:

DVG – Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e.V.
www.dvg-gestalt.de

DGK – Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie e.V.
www.koerperpsychotherapie-dgk.de

DGTA – Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse
www.dgta.de

DPGG – Deutsche Psychologische Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie
www.dpgg.de

DDGAP – Deutscher Dachverband Gestalttherapie für approbierte Psychotherapeuten e.V.

www.ddgap.de

GLE-D – Gesellschaft für Logotherapie und Existanzanalyse in Deutschland e.V.
www.gle-d.de

DGLE – Deutsche Gesellschaft für Logotherapie und Existanzanalyse e.V.
www.logotherapie-gesellschaft.de

GwG – Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.
www.gwg-ev.org

VPP – Verband Psychologischer PsychotherapeutInnen im BDP
www.vpp.org

DFP – Deutscher Fachverband für Psychodrama e. V.
www.psychodrama-deutschland.de

DGIK – Dt Gesellschaft für integrative Therapie, Gestalttherapie und Kreativitätsförderung
www.dgik.de

 

 

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