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Verbindungslinien zwischen Psychodramatherapie und anderen Verfahren der humanistischen Psychotherapie

Alle humanistischen Verfahren teilen eine gemeinsame erkenntnistheoretische Position: Der Mensch konstruiert durch seine Wahrnehmung und weitere Informationsverarbeitung ein Bild der Realität, in welcher er lebt und lernt. Dieses subjektive Bild der Realität kann über einen Diskurs zur intersubjektiven Gültigkeit gebracht werden.

So auch das Psychodrama, indem es die Wahrheit des Protagonisten auf die Bühne bringt und in der „Szene“, viel mehr als über tausend Worte, viel mehr als über rationale Begründung, ein Bild erschafft, welches für den Protagonisten selbst die Innenwelt außen präsentiert und anderen Menschen, dem Therapeuten und, wenn vorhanden, der Gruppe die Möglichkeit gibt am Prozess der Erschaffung und Veränderung dieser (Innen)Welt teilzuhaben.

Die intersubjektive Konstruktion des Seelischen über die Internalisierung von Beziehungserfahrungen verbindet das Morenosche Psychodrama mit den anderen frühen interaktionistischen Persönlichkeitstheoretikern und der Begegnungsphilosophie M. Bubers, auf die sich auch Fritz und Lore Perls, die Begründer der Gestalttherapie immer wieder rückbeziehen. Sie reicht bis in die Gegenwart zu den integrativen Therapieansätzen von I. Yalom.

Für die Psychodramatherapie ergibt sich daraus die Aufgabe, Therapie als Wachstumsprozess innerhalb sozialer Beziehungen zu betrachten. Der Personenzentrierte Ansatz der Gesprächspsychotherapie bspw. nennt diesen Vorgang die ständige Neuorganisation der Selbst-Struktur im Dialog und in der Eingebundenheit von Beziehungen.

Die jeweilige Therapeut- Patient Beziehung und ihre Erweiterung in die Gruppe steht im Zentrum der Behandlung und wird als Katalysator für die kathartische Neu- Erfahrung genutzt. Die Gestalttherapeuten erklären diesen Heilungsvorgang mit der Integration von früher abgewehrten Teilaspekten der Persönlichkeit, die zu einer neuen sinnhaften Kongruenz führen. Sie nutzen die Morenoschen Ideen des Rollentausches in der Dialog- Technik zweier Stühle und lassen so den Perspektivenwechsel wirken.

Ebenso tun dies die Körperpsychotherapeuten mit ihrer ganzheitlichen Betrachtung und Behandlung des Selbst. Sie diagnostizieren und behandeln die Person mit ihren vegetativen, muskulären und psychischen Anteilen. Psychodramatiker fühlen sich hier an die von Moreno beschriebenen Rollenebenen erinnert. Im körpertherapeutischen Biodrama werden frühe Schlüsselszenen aufgebaut und zwischen Therapeut und Patient, oder auch in der Gruppe, interaktionell die verschiedenen Dimensionen des Körper-Selbst- Erlebens zum Ausdruck gebracht.

Eine weitere Gemeinsamkeit der humanistischen Verfahren ist ihre antidarwinistische Ausrichtung, die den Menschen als befähigt und bestimmt zur Gegenseitigkeit ansieht. Moreno arbeitete in seinen soziologischen Texten („Who shall survive“) und in der gesamten soziometrischen Methodik diese Grundprinzipien gesellschaftlichen Handelns heraus, welche neben Freiheit und Verantwortung Grundelemente des gemeinsamen Menschenbildes darstellen.

Die hierin enthaltene Wertorientierung bei den Zielen der therapeutischen Praxis zeigt sich zum Beispiel bei der Logotherapie und Existenzanalyse in dem zentralen Begriff der personalen Strebungen und in der Sinnfrage der individuellen Existenz, die in diesem Verfahren die Auseinandersetzung mit zukünftigen Konfliktlösungen bestimmt.

Nun sind beispielhaft einige Verbindungslinien der Psychodramatherapie zu anderen humanistischen Verfahren gezogen, weitere ergeben sich aus den Überschneidungen der Biografien ihrer Begründer in den zwanziger bis fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Mehr davon finden sich in dem lesenswerten Sammelband:
Humanistische Psychotherapie, Hrsg. W. Eberwein und M. Thielen, Gießen 2014.

 

Ernst Diebels

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