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Andreas Ploeger ist verstorben

Ein deutscher Psychodramatiker der ersten Stunde, dem wir die Entwicklung einer interessanten methodischen Variante unseres Verfahrens verdanken, ist am 12. 1. 2018 in Aachen verstorben.

Er wurde 1926 geboren und war noch als Jugendlicher in den letzten Tagen des Krieges eingezogen worden, diese Gewalterfahrungen und die kulturelle und politische Deformation einer Gesellschaft haben ihn und seine Veröffentlichungen geprägt, genauso wie die Begegnung mit Moreno und seine Auseinandersetzungen mit der dramatischen Methode.

Er studierte in München ab 1952 Medizin und Psychologie, promovierte und habilitierte sich in Aachen, war als Professor für Psychiatrie, Medizinische Psychologie und Sozialpsychiatrie an verschiedenen Universitäten ordiniert und kehrte 1976 nach Aachen zurück und übernahm das Ordinariat und die Geschäftsführung des Universitäts- Institutes für medizinische Psychologie.

Nach seiner Emeritierung war er noch bis ins hohe Alter als Psychotherapeut in eigener Praxis tätig.

Seine tiefenpsychologisch fundierte Psychodramatherapie (TFPT), die er 1983 veröffentlichte, thematisiert vor allem die im Hier und Jetzt wirksamen Projektionen und Identifikationen innerhalb der Gruppe und fokussiert die Inszenierung darauf. Er verstand sich als Weiterentwickler, versuchte die tiefenpsychologischen Ideen sowohl in der aktuellen Bearbeitung mit der Gruppe als auch im Unterricht für die Ausbildungskandidaten als Instrumente zu nutzen und vermittelte uns viele Übersetzungshilfen. Schüler, die neben der klassischen Psychodrama-Ausbildung, von ihm inspiriert waren gründeten 1980 das Psychodrama Institut Rheinland, heute Rheinland Institut, und begannen mit der Psychodrama -Ausbildung nach den Richtlinien des DFP, bis heute dauert diese Arbeit an.

Bekannt wurde sein Werk auch durch die damals ersten Versuche der psychotherapeutischen Trauma Bearbeitung mit den verschütteten Bergleuten von Lengede und mit den Terror-Opfern der palästinensischen Flugzeugentführer im deutschen Herbst 1977.

Er ist aber auch darüber hinaus Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge und Fachbücher insbesondere zur Entstehung von Gewalt und von sozialen Deformationsprozessen in der Entwicklung zum deutschen Faschismus.

Ernst Diebels
Rheinland Institut

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