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Begleitbrief der AGHPT zum Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie (WBP) zur Humanistischen Psychotherapie

Liebe KollegInnen der AGHPT-Mitgliedsverbände,
am 19.1.2018 haben wir das Gutachten des WBP endlich bekommen nach gut 6-jähriger Wartezeit. Wir hatten am 20. und 21.1.18 unsere Mitgliederversammlung und uns ausführlich über die Nicht-Anerkennung der Humanistischen Psychotherapie durch den WBP auseinandergesetzt. Natürlich haben wir auch emotional darauf reagiert und es gab die ganze Bandbreite von Gefühlen, bei denen Enttäuschung, aber vor allem Ärger und Wut überwogen.

Nach einer genaueren Analyse der Gründe der Ablehnung, vor allem durch Jürgen Kriz, der ja selbst 5 Jahre Mitglied des WBP war und damals entscheidend dazu beigetragen hatte, dass die Systemische Therapie anerkannt wurde, hat sich unsere Einschätzung bestätigt, dass nicht wissenschaftliche sondern primär machtpolitische und lobbyistische Gründe ausschlaggebend sind. In der beiliegenden Stellungnahme haben wir unsere Einschätzung des Gutachtens dargelegt.

In unserer Sitzung wurde deutlich, dass wir weiterhin an dem Ziel festhalten, die Humanistische Psychotherapie zu verbreiten und vor allem den Patientinnen in größerem Ausmaß als bisher zugänglich zu machen. Natürlich ist das Gutachten frustrierend, aber wir sind nicht resigniert, sondern es ist nach wie vor für uns sinnhaft und erfüllend, für die Humanistische Psychotherapie zu kämpfen. Wir werden inhaltlich die Weiterentwicklung der Humanistischen Psychotherapie mit aller Kraft vorantreiben und wir werden berufspolitisch weiterarbeiten. Die Wissenschaftlichkeit der Humanistischen Psychotherapie steht international außer Zweifel. Wir werden die unfaire Zusammensetzung des WBP kritisieren, seine un-wissenschaftlichen Kriterien und sein interessengeleitetes Votum angreifen.

Über die Humanistische Psychotherapie und ihre Ablehnung durch den WBP wollen wir innerhalb der Profession der PsychotherapeutInnen eine Debatte entfachen.

Wir werden also Stellungnahmen in der Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit (Psychotherapeutenjournal, Fachzeitschriften, Zeitschriften der Berufs- und Fachverbände etc.) veröffentlichen.
Wir wollen international bekannte PsychotherapeutInnen und WissenschaftlerInnen wie Yalom, Greenberg u.a. gewinnen, zusammen mit dem Wissenschaftlichen Beirat der AGHPT ein internationales Expertengremium zu bilden, dass die Wissenschaftlichkeit der Humanistischen Psychotherapie bestätigt.
Wir werden eine Unterschriftenaktion starten, in der unsere KollegInnen gegen das Votum des WBP protestieren können.
Wir werden an politische Entscheidungsträger appellieren, den Missstände und dem Machtmissbrauch des WBP auf der gesetzlichen Ebene Einhalt zu gebieten.
Wir werden eine öffentliche Veranstaltung machen, in der wir mit Vertretern aus der Wissenschaft, des WBP, Vertretern der Berufs- und Fachverbände, der Politik über die Humanistische Psychotherapie und das Gutachten kontrovers diskutieren, um insbesondere bei KollegInnen Interesse und Sympathie für die HP zu gewinnen.
Wir werden uns bei der anstehenden Neubesetzung des WBP durch den Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) dafür einsetzen, dass VertreterInnen der Humanistischen Psychotherapie in den WBP kommen.
Wir werden den Vorstand der BPtK auffordern, eine positive Stellungnahme zur Humanistischen Psychotherapie abzugeben.
Wir werden weiter dafür kämpfen, dass die Humanistische Psychotherapie in die Musterweiterbildungsordnung der BPtK und die Weiterbildungsordnungen der Landespsychotherapeutenkammern aufgenommen wird.
Wir werden weiter dafür eintreten, dass die Humanistische Psychotherapie als eine der vier Grundorientierungen fest in dem geplanten Psychotherapiestudium verankert wird.

Wir haben aber auf unserer MV auch darüber gesprochen, dass wir uns verstärkt auch für diejenigen KollegInnen in unseren Mitgliedsverbänden einsetzen wollen, die nicht approbiert sind, sondern über den HP Psychotherapie verfügen, oder Coaches, BeraterInnen oder SozialtherapeutInnen u.a. sind. Mit dem Weiterbildungscurriculum und dem Abschlusstitel „Humanistische Psychotherapie“ haben wir einen Qualitätsstandard geschaffen, der sicherlich für viele niedergelassene Mitglieder attraktiv ist, die über den HP Psychotherapie verfügen. Für die anderen Berufsgruppen haben wir vor, ähnliche Curricula und Standards zu schaffen. Und wir wollen die inhaltliche Vernetzung und Weiterentwicklung auf Tagungen, Kongressen, in unseren Fachzeitschriften, auf Fachverbands- und Instituts-Ebene unterstützten.

Nach dem gemeinsamen Eindruck und Gefühl in unserer zweitägigen Sitzung sind wir in den fast acht Jahren unserer gemeinsamen Zusammenarbeit immer mehr zusammengewachsen und die Anliegen der Humanistischen Psychotherapie sind zur Herzenssache geworden. Auf der MV wurde ein neuer Vorstand gewählt, der aus Anatoli Pimenidou, Dorothea Bühnemann, Wolfgang Scheiblich, Ingo Zirks und Manfred Thielen besteht.

Uns ist bewusst, dass viele von euch nach wie vor mehr mit dem eigenen Ansatz als mit der HP identifiziert sind, doch wir wünschen uns, dass sich dies schrittweise in Richtung Humanistischer Psychotherapie erweitert.

Wir freuen uns auf euer Feedback.

Für den Vorstand:
Manfred Thielen (Vors.)
Anatoli Pimendou (2. Vors.), Dorothea Bühnemann, Wolfgang Scheiblich und Ingo Zirks

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