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Psychodramaprojekt in Gaza blüht und gedeiht

Ein Projekt von medico international schweiz, dem Gaza Communty Mental Health Project (GCMHP), sehr gefördert vom DFP und privaten SponsorInnen. Wer hätte das gedacht, als Stefan Flegelskamp und ich im Mai 2012 zum ersten Mal mit Ursula Hauser und Maja Hess nach Gaza reisten? Der Wunsch war da, dort möge ein eigenes Weiterbildungsinstitut für Psychodrama entstehen; die Realität sah aber noch sehr anders aus.

Jetzt sind wichtige Schritte getan und eine solide Basis dafür aufgebaut. Dazu waren Stefan und ich 9x eine Woche dort, Dorothea Ensel, Fabian Blobel, Monika Jetter-Schröder und Kurt Vesely je einmal. Ursula Hauser und Maja Hess, die Ausbilderinnen der ersten Trainingsgruppe, stellen seit Januar 2013 einmal jährlich mit Supervision und Selbsterfahrung die notwendige Kontinuität und Ermutigung zum Dranbleiben her.
Zwei Psychodramatikerinnen unterrichten inzwischen an der psychologischen Fakultät der Universität von Gaza.

Abschluss der dreijährigen Weiterbildung in Kinderpsychodrama im Mai 2017

Nach gut drei Jahren haben Stefan und ich im Mai 2017 den dreijährigen Kurs „Psychodrama mit traumatisierten Kindern“ abgeschlossen. Es gibt jetzt 17 neue PraktikerInnen für Kinderpsychodrama, 4 von den bereits fertigen Psychodramatherapeutinnen haben jetzt eine weitere Qualifikation in Kinderpsychodrama, und den übrigen Fünf, die nur unregelmäßig teilnehmen konnten, haben wir ihre Teilnahmestunden bescheinigt. Es gab eine bewegende Feier zur Zertifikatsüberreichung.

In der Gruppe sind einige sehr engagierte und begabte KollegInnen, die mehr und mehr mit Psychodrama arbeiten. Das konnten wir zum ersten Mal deutlich im Oktober 2016 sehen anhand der zahlreichen qualifizierten Fragen zur Supervision und im Mai bei einer Lifesupervision in einem Waisenhaus.

Englische Übersetzung des Lehrbuches von Aichinger und Holl

Eine große Freude war es, mit den Zertifikaten bzw. Bescheinigungen jeweils ein Exemplar des Lehrbuchs zum Kinderpsychodrama überreichen zu können. 30 Bücher haben wir mitgeschleppt. Der Springerverlag hat das Buch im März 2017 herausgebracht. Dank einer großzügigen Spende von Barbara Krebs und der Bereitstellung des nötigen Geldes durch den DFP für eine professionelle Übersetzung war das möglich geworden. Das Buch gibt es auch in E-Version.

Zwei neue Psychodramaweiterbildungsleiterinnen

Bewundernswerte Arbeit haben Enas Jouda und Ensherah Zaout geleistet mit der Leitung der begleitenden Psychodramagrundstufe über drei Jahre. Sie haben sich sehr über das Trainerinnenzertifikat des Institutes SZENEN gefreut. Unter den besonders schwierigen Bedingungen in Gaza haben sie die 19 „Neuen“ bei der Stange gehalten und mit ihnen eine Gruppe aufgebaut, die den selbst traumatisierten KollegInnen einen sicheren Ort bietet voller Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist eine schöne Bestätigung, dass die Gruppe sich weiterhin einmal monatlich zur Supervision unter Leitung der beiden treffen kann. Das war institutionell gar nicht leicht durchzusetzen.
Trotz vieler Bemühungen ist es im September 2016 nicht gelungen, eine Genehmigung der israelischen Behörden für die beiden zur Teilnahme an der 3. Kinderpsychodramakonferenz in Basel zu erhalten. Wir hoffen sehr, dass wir in nicht zu großer Ferne einige unserer hoch engagierten KollegInnen aus Gaza bei einer der europäischen oder internationalen Konferenzen begrüßen können. Derzeit können sie nicht einmal an der IAGP-Konferenz in Kairo teilnehmen, die zum vierten Mal im Januar in Kairo stattfindet, und an der auch viele PsychodramatikerInnen beteiligt sind.

Advanced Training und weitere Supervision

Das Kinderpsychodrama ist für Kinder von 6 – 12 gedacht; in Gaza müssen die TherapeutInnen aber mit allen Altersgruppen arbeiten. Außerdem gehören 7 „school counselor“ (entspricht in etwa unseren Schulsozialarbeitern) zur Gruppe. Um diesem Bedarf an Psychodrama mit Jugendlichen und Schulklassen zu begegnen, konnten Fabian Blobel und Monika Jetter-Schröder gewonnen werden. Fabian hat zur Freude der Gruppe im Mai 2017 zwei Tage sehr lebendiger Arbeit mit Adoleszenten gestaltet.

Monika verfügt über gut 20 Jahre Erfahrung mit delinquenten Jugendlichen und schwierigen Schulklassen. Zusammen mit ihrem Kollegen Kurt Vesely, der auch noch ganz gut Arabisch spricht war sie im Oktober zu einem Training in Gaza. Ich hatte die Freude, die Beiden zu begleiten, und dort einzuführen. Für mich war es ein bewegender Abschied.

Der Trainingsplan in Gaza sieht für die nächste Zeit 2 x eine Woche Supervision jährlich vor. Davon werden Ursula Hauser und Maja Hess jeweils eine übernehmen, die andere Stefan zusammen mit einer europäischen Kollegin, die im Kinder- und Jugendpsychodrama über besondere Fähigkeiten verfügt.

Die School Counsellor wollen ein Psychodrama-Zentrum für alle an der Schule Beteiligten gründen. Wünschen wir ihnen viel Erfolg!

Agnes Dudler, Bonn, den 7.1.2018

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