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Rückblick: DFP Tagung 2017 „Spielräume erkennen und nutzen“

Die diesjährige Jahrestagung des DFP hatte sich unter dem Titel „Spielräume erkennen und nutzen“ einiges vorgenommen, nämlich zum einen die Dimensionen „postfaktischer Realitäten“ psycho- und soziodramatisch auszuleuchten und sich zum anderen der Moreno´schen Technik der „surplus reality“ zuzuwenden.

Rund 80 TeilnehmerInnen waren der Einladung zur Tagung gefolgt und hatten sich trotz des ausnahmsweise vorgezogenen Termines bereits am 03. und 04.11.2017 im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn eingefunden. Wer am Freitag dem neuen DFP-Banner (unsere neueste Errungenschaft für zukünftige Infostände) und den Ausschilderungen durch die labyrinthischen Gänge an einem neuen, für DFPler noch unbekannten Tagungsort gefolgt war, wurde mit einem kleinen Willkommensimbiss entlohnt und konnte sich am gut bestückten Büchertisch oder in Wiedersehensbegegnungen auf spannende kommende eineinhalb Tage vorbereiten. Punkt 15.00 Uhr übernahm der 1. Vorsitzende des DFP Frank Sielecki in großer Runde die offizielle Eröffnung und begrüßte dabei auch gleich unsere z.T. schon anwesenden oder noch erwarteten Gäste aus Portugal, Ungarn, Österreich und den Niederlanden.

Die soziometrische Anwärmung durch Kersti Weiss und Agnes Dudler ermöglichte kurz darauf erste Begegnungen und Kontaktaufnahmen in der Großgruppe und leitete direkt in den ersten Arbeitsabschnitt „Lebendige Zeitung“ über. An insgesamt 8 Stationen im Raum waren dazu mit jeweils einer Reihe von aktuellen Zeitungsartikeln verschiedene Themenschwerpunkte vorbereitet worden. Die ausgewählten Artikel zu den Bereichen „Sexismus/Feminismus“, „Katalonien/Separation“, „Rechtstruck“, „Klima/Natur“, „Religion und Werte“ , „Naher Osten/Außenpolitik“, „Medien und Information“, „Spielräume“ und „Gesellschaft“ deckten ein breites Interessensspektrum ab, so dass jede/r etwas für sich finden konnte. In Kleingruppen wurde anschließend eifrig gesichtet, gelesen und diskutiert. In der Großgruppe wurden die Ergebnisse des Austauschs in Form von Szenen, Vignetten oder Standbildern mit durchweg beeindruckender Präsenz, gedanklich anregend und oftmals nachdenklich stimmend, präsentiert. Das sich zunehmend herauskristallisierende Thema, nämlich der vielschichtige Umgang mit Fakten und Realitäten, der Wahrheitsgehalt und die tendenziellen Färbungen von Information sowie die Auswirkungen auf Individuen und Gruppen, wurde von Vielen auch durch die Pause hindurch intensiv weiterdiskutiert.

Hier konnte dann Ursula Ott, Chefredakteurin vom Chrismon Verlag, mit ihrem Vortrag „Stimmt gar nicht- vom Umgang mit gefühlter und gefälschter Wahrheit“ problemlos anknüpfen. Zusammen mit ihrem Sohn Oskar, einem Abiturienten, der uns seine schulische Kursarbeit präsentierte und uns in die unbekannte Welt der „Filterblasen“ einführte, sensibilisierte uns Ursula Ott auf kurzweilige und informative Weise für eine kritische und verantwortungsbewusste Nutzung der neuen Medien. So erfuhren wir, wie das Netz unsere persönlichen Daten verwendet und wie wir selektiv und einseitig in unserer Meinungsbildung beeinflusst werden. Wir wurden ermuntert, die uns präsentierten „Fakten“ immer wieder auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, auf seriöse Recherchen und Gegenrecherchen zu achten und auch über unseren eigenen Tellerrand in der Informationsbeschaffung zu schauen. Oskar benannte uns zudem Wege, wie das Internet auch alternativ mithilfe junger Start-Ups genutzt werden kann.

Der offizielle Teil des ersten Tages endete bei einem reichhaltigen Abendbuffet und mindestens ebenso reichhaltigen Gesprächen. Bis spät in die Nacht wurde sich rege ausgetauscht oder ausgelassen getanzt auf Musik, die uns Mohamed Ait Haiji präsentierte, bekannt auch als DJ des vergangenen Jahres.

Wer am Samstag morgen noch müde und träge in den Tag gestartet war, den bot der von Ute Holsinger angeleitete „Halay“ schnell die Möglichkeit wach zu werden. Der ursprünglich türkische Reihentanz, der in vielen Ethnien der östlichen Mittelmeerregion zu diversen Festen und Veranstaltungen getanzt wird, wurde in der Großgruppe dankbar und mit viel Elan umgesetzt.

Derart wachgerüttelt in Körper und Geist und mit guter Stimmung ausgestattet, entführte uns Dagmar Schönleber mit ihrem Politischen Kabarettprogramm „Realität 2.0-da ist doch System im Fehler“ in die z.T. urkomische Welt der fakenews und verzerrten Realitäten. Die offensichtlich sehr eigenen und nur schwer austauschbaren Welten und „Irr-„Rationalitäten von Mann und Frau hatten hohen Wiedererkennungswert und entlockten uns nicht nur stilles Schmunzeln. Mit reichlich Beifall auch für die sehr gelungenen musikalischen Einlagen bedankte sich das gut unterhaltene Publikum. Wer noch mehr Interesse an den Auftritten von Dagmar Schönleber hat, kann hier den Tourkalender einsehen.

Mit ihren spitzen Pointen hatte uns Dagmar Schönleber bestens den Boden für die nun anstehende Themenarbeit in den Workshops bereitet. Nach kurzer Kaffeepause stellten sich die 9 WorkshopleiterInnen persönlich mit ihren Workshopinhalten vor (siehe auch die Beschreibungen in der Tagungsankündigung) und es bildeten sich schnell zahlenmäßig ausgewogene Kleingruppen, die sich zu intensiven 3 Stunden in ihre jeweiligen Arbeitsräume zurückzogen.

Den Abschluss der Tagung bildeten die szenischen Bilanzen in der Großgruppe. In Murmelrunden wurden die Eindrücke aus den Workshops ausgetauscht und auch Eindrücke zur Tagung gesammelt, schließlich der Großgruppe als szenische Umsetzung im Plenum präsentiert. Nach den Abschieds- und Dankesworten durch Frank Sielecki konnten dann die neuen Ideen bei Kuchen und Imbiss persönlich ausgetauscht und weiterverfolgt werden. Wer nicht eilig abreisen musste, der konnte sich auch noch zu guter Letzt am Büchertisch mit reichlich Literatur versorgen.
„Schön wars-Kikeriki!“ oder auch „Skating on thin ice…“ um mit den szenischen Bilanzen zu sprechen. Die ersten Resumees und Resonanzen bestätigen uns, dass unsere Auswahl an Thema und DozentInnen in 2017 einmal mehr aktuell und vielschichtig war und wir so auch in die neue Planung 2018 starten können. Als kleine Anregung haben wir den Wunsch Einiger verstanden, angesichts der interessanten Workshops eventuell zwei Workshopbänder einzurichten. Wir denken drüber nach!

Wie auf den Tagungen zuvor hat uns auch dieses Mal wieder die Filmemacherin Pola Sell begleitet und wir hoffen, schon bald ihren geschnittenen Beitrag auf unserer Homepage zur Verfügung stellen zu können. Darüber hinaus gibt es die von unserer jungen Fotografin festgehaltenen schönen Eindrücke bereits etwas früher auf der Homepage.

Bis Bald im nächsten Jahr!

Die Tagung in 99 Bildern:

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