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Modelle kreativ erweitern: das Tetralemma mit Antagonist

Die Regionalgruppe Rhein-Main trifft sich vier Mal im Jahr in Frankfurt und dient dem lebendigen Austausch zwischen den PsychodramatikerInnen der Region. Die TeilnehmerInnen können Entscheidungen vorbereiten (z.B. ging es einmal um die Kandidatur für den DfP im Durchleben des Spontaneitätszirkels), psychodramatische Settings im geschützten Raum ausprobieren oder Modelle weiterentwickeln. Geleitet wird abwechselnd von den TeilnehmerInnen.

So hatte Uwe Mettlach Ende 2016 das Durchschreiten des Tetralemmas angeleitet. Das Tetralemma ist eine systemische Strukturaufstellung von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd und stammt aus der indischen Philosophie. Es geht um eine Dilemma-Situation, also eine Entscheidung, die das Gegenteil von ihr ausschließt: Wenn ich  z.B. meinen Wohnort wechsele, kann der Kontakt zu meinen Freunden nicht genauso bleiben, als wenn ich am Ort wohnen bleibe. Es werden vier Positionen aufgebaut: Das Eine, das Andere, Beides, Keines von Beiden. Im Durchschreiten dieser Positionen kann die Person, die eine Entscheidung treffen will oder muss, reflektieren, welche Entscheidung ihr am meisten liegt. Es gibt noch eine fünfte Position, die auch über die vierte Position hinausführt: „All dies nicht  und selbst das nicht“. So kann der gesamt Fragenkomplex verlassen werden.

Als Uwe uns diese Strukturaufstellung in der Regionalgruppe vorstellte, ergab sich im Prozess, dass an den vier Positionen immer wieder ein Antagonist erschien.
So entstand die Überlegung, das Modell des Tetralemmas um einen Antagonisten an allen vier Positionen zu erweitern. Sabine Wigard erklärte sich bereit, dies vorzubereiten.

Im Februar 2017 war es dann soweit:  Sabine baute die vier Positionen des Tetralemmas auf und forderte den Protagonisten auf, den Antagonisten für die Position „das Eine“ zu benennen.

Entscheidungen im Tetralemma mit Antagonist

Die Erweiterung um den Antagonisten geschieht aus der Überlegung heraus, dass in der Auseinandersetzung mit dem Antagonisten das Gefühl für die verschiedenen Positionen und die Implikationen, was die jeweilige Position bedeutet, deutlicher spürbar wird.

Der Antagonist ist entweder eine Person, ein Gefühl oder eine Motivation. Es kommt darauf an, mit welchem Gefühl der Protagonist auf die Position „das Eine“ geht: Wenn es um eine Beziehungsklärung geht, wird der Antagonist eine Person sein. Wenn er z.B. aus dem Gefühl eines schlechten Gewissens heraus auf die erste Position geht, kann der Antagonist das Gefühl „das schlechte Gewissen“ sein.

Der Antagonist wird eingedoppelt und in dem der Protagonist in der Rolle seines Antagonisten geht, gibt er eine Botschaft an den Protagonisten, also an sich selbst. In allen vier Positionen wird diese Botschaft vom Antagonisten gegeben und im Rollentausch mit diesem können handelnd innere Konflikte des Protagonisten deutlich werden.
Fällt dem Protagonisten nichts für die Position „Beides“ oder „Was ganz anderes“ ein, so können die TeilnehmerInnen aus dem Publikum Vorschläge machen. Am Ende wird der Protagonist gefragt, auf welcher Position er sich am wohlsten gefühlt hat. Dazu kann er sich ev. noch einmal alle Botschaften anhören. Es kann auch hilfreich sein, die Person, die den Antagonisten spielt, spontan nach seinen Gefühlen zu fragen, sodass der Protagonist noch weitere Informationen erhält.
Falls noch Zeit ist, kann der Protagonist auf der Position, die ihm am meisten gefällt, noch gefragt werden, wie zufrieden auf einer Skala von 0 bis 10 er mit der Entscheidung ist. Die Frage „Was müsste geschehen, damit zu zwei Punkte höher stehst?“ kann helfen, die weitere Entscheidungsentwicklung vorzubereiten.
Am Schluss gibt es in einer Auswertungsrunde ein Rollenfeedback und ein Sharing.

Der Protagonist, der an dem Abend der Regionalgruppe das Tetralemma mit seinem Antagonisten durchschritten hat, war höchst zufrieden über die Klärung seines Entscheidungsprozesses.

Für die nächste Regionalgruppe wird aus aktuellem Anlass die „Lebendige Zeitung – Revisited“ von Daniel Feldhendler vorbereitet. Wir freuen uns sehr, wenn neue TeilnehmerInnen dazukommen.

An diesem nächsten DFP-Regio Treffen werden Arbeitsformen aus Morenos Tradition vorgestellt, die wenig bekannt und angewandt werden: die Lebendige Zeitung.
Eine Verbindung zwischen Arbeitsformen aus Morenos früherer Entwicklung (Stegreiftheater als Surplus-Reality) und den dramaturgischen Ansätzen von Augusto Boal (Zeitungstheater, Bildertheater) und von Jonathan Fox (Playback Theater) wird auch aufgezeigt und zur Diskussion gestellt.

Leitung: Daniel Feldhendler
Zeit: Montag 15.05.2017, 19.00 – 21.00 Uhr
Ort:
Frankfurt, Haus der Jugend

Sabine Wigard

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