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Rückblick auf die DFP-Jahrestagung 2016

Anknüpfend an Julia Kristevas Buchtitel hatten wir in diesem Jahr dazu eingeladen, uns gemeinsam mit Flucht und Migration und der Integration von Flüchtlingen zu beschäftigen. Ein hochaktuelles Thema, mit dem sich auch Psychodramatikerinnen alltäglich in ihren vielschichtigen Arbeitsfeldern auseinandersetzen.

anwaermung

„Fremde sind wir uns selbst – Zur Integration von Flüchtlingen und MigrantInnen“

Rückblick auf die diesjährige DFP-Fachtagung

Und so fanden sich am Freitag Nachmittag 80 Menschen im Martin-Niemöller-Tagungshaus in Arnoldshain bei Frankfurt ein.

Das umfangreiche Programm hier komplett wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur einige „Tagungssplitter“ für diejenigen, die nicht dabei sein konnten:

  • Uwe Mettlach, Saad Achmed und Mohamed Ait Haij luden zu einer Imagination ein. Das Szenario: Jede/r konnte erste Berührungen mit Fremdsein machen. Als Flüchtlinge in einem Flüchtlingssammelpunkt begrüßten beide die Teilnehmer_innen in fremder Sprache (Englisch und Arabisch und konfrontierten sie mit einer fremden Empfangskultur und ließen sie so die entstehenden Miss- und Unverständnisse spürbar werden. Nicht zuletzt die vom Vorstand in Rollen diverser Amtsträger verteilten völlig unbrauchbaren „Begrüßungsgeschenke“ verursachten Befremden und Verunsicherung. Uwe Mettlach hatte zu Beginn sehr eindringlich und plastisch von seiner ersten Begegnung mit Saad Achmed berichtet, der schließlich die Teilnehmer_innen in ihrer Verunsichertheit in einem gleichsam fremden wie verbindenden Tanz einte.
  • Dr. Klaus Ottomeyer führte in ein zweites, ebenso intensives Erleben von Fremdheit ein, nun in Form eines in seiner inhaltlichen Aktualität differenziert vorbereiteten Soziodramas. In Kleingruppen verschiedenster politischer Couleur, unter anderem dem Bund der Islamisten, der AfD, dem Kirchenbund, dem Regierungsstab rund um und mit Angela Merkel, den Grünen, und nicht zuletzt mit Volkes Stimme sollte eine gemeinsam zu erarbeitende kurze Twitterbotschaft verfasst werden zu einem zuvor in den Nachrichten verlesenen Vorfall: dem Überfall syrischer Flüchtlinge auf eine deutsche Frau und dem anschliessenden Gewaltexzess mit Todesfolge der jungen Frau. Die Botschaft wurde dann nochmals verändert, dass die junge Frau durch Herzversagen und vorherige Falschnachricht von Übergriffen ums Leben gekommen sei. In einem ausgiebigen Feedback jeder Gruppe und auch einzelner fand dieses intensiv-greifbare und reichhaltige Szenario, in dem sich alle in „fremden“ Rollenerleben wiederfinden konnten, seine Reflektion. Die anschließende halbstündige Pause wurde demgemäß reichlich zum weiteren Austausch genutzt.
  • Den Abschluss des Tages bildete der Vortrag von Thomas Gebauer, Geschäftsführer der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international über die politisch-ökonomischen Ursachen und Folgen von Migration. Unter dem markanten Motto „Wir sind die Sintflut“ des Kabarettisten Georg Schramm eröffnete Gebauer die verstörenden und deprimierenden Fakten der Migration als Folge der Globalisierung , der „Entfesselung des Kapitalismus“. So führte er unter anderem aus, dass mit der Folge einer „Kapitalumverteilung von unten nach oben“ (ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt die Hälfte des weltweiten Vermögens) soziale Ungleichheit und Verunsicherung zu Migration und Flucht, zu „Aushöhlung öffentlicher Daseinsvorsorge“, zum Zusammenbruch staatlicher Strukturen, schließlich zum „Verrecken der Menschen“ geführt hat. In der abschließenden Frage, ob Integration als Anpassung an die ausbeuterischen Verhältnisse zu sehen sei, die die Flucht hervorgebracht haben forderte Thomas Gebauer schließlich als Ausweg eine „globale soziale Infrastruktur“ und damit ein „Doppeltes Recht: das zu bleiben und zu gehen“ , ein „Recht auf Freizügigkeit als Ausdruck höchster Freiheit“.
  • In ihren Vortrag über „EXIT- expressive arts work“ stellte Prof. Dr. Melinda Ashley Meyer ihr norwegisches Projekt mit traumatisierten unbegleiteten Jugendlichen vor. Eine anschauliche Präsentation vermittelte zunächst die Zielsetzung und Ergebnisse ihres Projektes zur Vorbeugung von Traumafolgestörungen durch Förderung von Empowerment und Resilienz. Die konkrete Arbeit zeigte dann ein Filmbeitrag. Hier beeindruckte Meyers Arbeit, die inzwischen an vielen norwegischen Kliniken durchgeführt wird, durch die im Film plastisch gewordenen persönlichen Schicksale der beteiligten jungen Männer. Der Ansatz wurde allseits mit großem Interesse und Begeisterung aufgenommen.

Zum download stellen wir hier den Vortrag unseres Key Note-Redners Thomas Gebauer zur Verfügung.

Das gesamte Programm gibt es zum Nachlesen hier.

Umfangreiche fotografische Eindrücke der Tagung könnt Ihr hier ansehen.

 

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