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Anerkennung der Humanistischen Psychotherapie – zum Stand der Dinge

Im Oktober sind es 3 Jahre her, seit die Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT) den Antrag auf wissenschaftliche Anerkennung an den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) gestellt hat. Es gab zahlreiche Briefwechsel, die sich für die Praktiker unter uns eher haarspalterisch anhören.

Prof. Dr. Jürgen Kriz hat diesen Antrag an den WBP formuliert, er ist unter anderem emeritierter Professor für Psychologie (Diagnostik und Methodenlehre) und ehemaliges Mitglied des WBP. Er hat im Dezember 2014 mit einem offenen Brief an den WBP betont, wie unverständlich und unredlich es aus wissenschaftlicher Sicht ist, die angeblich „noch offenen Fragen“ immer wieder aufzulegen, zumal die anerkannten Verfahren (Verhaltenstherapie und Psychodynamischen Psychotherapie) diese auch noch nicht genügend beantworten könnten (z.B. die Frage der Einheitlichkeit unter den verschiedenen Methoden eines Verfahren).

Auch infolge dieser offensiveren Haltung kam es am 21. September 2015 zu einer Anhörung, einem „Hearing“ der AGHPT vor dem WBP. Jürgen Kriz, Karl Heinz Schuldt (Vorsitzender der AGHPT), Manfred Thielen und Werner Eberwein haben Rede und Antwort gestanden vor dem WBP und gut vorbereitet die Humanistische Psychotherapie als ein einheitliches Verfahren vertreten. Es wurden sowohl Fallvignetten vorgestellt als auch der Stand der wissenschaftlichen Forschung erneut dargestellt. Die Vorarbeit war enorm. Zwei Wissenschaftler haben diese Arbeit für das Psychodrama im Auftrag des DFP bereichert: Ass.-Prof. Dr. Michael Wieser und Dr. Karsten Krauskopf. Besonders hervorzuheben ist, dass beide Wissenschaftler kurzfristig und ehrenamtlich diesen Auftrag für den DFP erfüllt haben.

In einem Schreiben des WBP vom 25.06.2015 wird erwähnt, dass Ende 2015 bis Anfang 2016 mit Entscheidungen zu rechnen ist.

Wir nutzen diesen Zeitpunkt, um Ass.-Prof. Dr. Michael Wieser und Dr. Karsten Krauskopf vorzustellen und sie zu ihrer Einschätzung und zum jetzigen Stand des Antrages zu befragen. Wir haben beide vor dem Hearing interviewt. Besonders lesenswert sind Entwicklungen und Zukunftsvisionen der beiden Wissenschaftler, die dem Geist des Psychodramas entsprechen.

Wenn Sie zu diesem Thema das erste Mal etwas lesen, hier ein paar Hintergrundinformationen: Die Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT) ist ein Zusammenschluss von 11 Verbänden und 6 Methoden der humanistischen Psychotherapie (Psychodrama, Körper-, Gesprächs-, Gestalt-Psychotherapie, Existenzanalyse/Logotherapie, Transaktionsanalyse), die die wissenschaftliche Anerkennung als Humanistisches Verfahren vor dem WBP beantragten. Diese wissenschaftliche Anerkennung des WBP ist Voraussetzung für die sozialrechtliche Anerkennung durch den G-BA (gemeinsamer Bundesausschuss). Dann erst könnte die humanistische Psychotherapie von den Krankenkassen als Behandlungsmethode anerkannt werden. Das würde nicht nur bedeuten, dass humanistische Psychotherapeuten mit der Krankenkasse abrechnet könnten, sondern es wäre auch wieder mehr universitäre Anbindung, Forschung und Lehre möglich, mehr Weiterentwicklung der eigenen Methode. Die Entwicklung und Kultivierung der gemeinsamen Identität ist die Aufgabe nach „innen“, der wir uns stellen müssen. Ein bedeutsamer Referenzpunkt, der immer wieder genannt wird in der Literatur, ist das Menschenbild der humanistischen Psychotherapie. Der Mensch wird als ein Wesen verstanden, das zur lebenslangen Entwicklung fähig ist, und auch die Ressourcen dazu in sich trägt. Wohin sich ein Mensch entwickelt gehört zu seiner Freiheit und Aufgabe auf dieser Welt. Was für ihn ein sinnerfülltes Leben ist kann er nur selber bestimmen. Wenn der Mensch als mündiges Wesen diese Wahlfreiheit nicht ausüben kann in seinen bio- psycho- sozialen- Bezügen wird er körperlich / psychisch krank. Wie sehr wäre das mit unserer Psychodramatischen Identität zu vereinbaren? Wie können wir das ergänzen, ausfüllen? Das wäre eine unserer Aufgaben im Prozess des Zusammenwachsens. Mehr dazu: www.aghpt.de

Anatoli Pimenidou

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